Echtes Wohlbefinden und Körpergefühl ist ein Spiel mit falschen Vorstellungen

Beim Blick in den Spiegel fühlen sich viele Frauen unwohl. Gedanken an Bilder aus Hochglanzmagazinen oder sozialen Medien haben die Vorstellung vom idealen Körper stark geprägt und verändert. Das bringt Risiken für das seelische und körperliche Wohl mit sich. Dabei gilt auch heute noch: Schönheit ist keine Frage festgelegter Maße. Ein Blick auf die Realität verrät: Wohlbefinden spielt in den Medien eine untergeordnete Rolle.

Der Hochglanz- Schwindel als Gefahr für die Psyche

Nur wenige Minuten auf Instagram reichen aus, um bei Frauen ein schlechtes Gewissen zu verursachen. Gleiches gilt für das Durchblättern klassischer Magazine, in denen Models Kleidung präsentieren und die neuesten Diäten angepriesen werden. Die grundsätzliche Nachricht der meisten Medien: „Sieh der Realität ins Auge! Du bist nicht dünn, sexy, groß oder schön genug!“
Medien zeichnen ein Idealbild, das heute von kaum einer Frau erreicht werden kann und meist nicht einmal erstrebenswert ist. Sogar Models, deren Bilder veröffentlicht werden, sehen in der Regel nicht so aus wie im fertigen Magazin. Mit Photoshop verschwinden auch die kleinsten Ansätze vollkommen natürlicher Körperformen mit Hüfte, Po und Bauch.

Insbesondere in der Jugend ist das gefährlich

Junge Mädchen, deren Körper sich gerade von kindlichen hin zu weiblichen Proportionen verändert, fühlen sich ausgestoßen und unattraktiv. „Fast die Hälfte der Mädchen und ein Fünftel der Jungen im Alter von 15 Jahren empfindet sich als zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind. Mehr als die Hälfte der Mädchen hat in diesem Alter bereits Diäterfahrungen gesammelt, jedes vierte Mädchen sogar mehrfach.“ (Quelle: www.bzga-essstoerungen.de)

Schnell können so Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie entstehen, bei denen Mädchen Idealbildern nachjagen und dabei den Bezug zur Realität verlieren. Selbst extremes Untergewicht wird dann nicht erkannt. Auch erwachsene Frauen können hierunter leiden. Die eigene Körperwahrnehmung verschiebt sich zu Gunsten all jener, die mit Diätpillen, Hochglanzmagazinen und teuren Abnehmprogrammen ihr Geld verdienen.

Realitätscheck: So sieht der Durchschnitt aus

Ein falsches Idealbild als Gefahr für Körper und Seele lässt sich nur schwer wieder loswerden. Zu groß ist der Einfluss der Medien auf Frauen. In der Modewelt gilt heute ein BMI von 17,5 als erstrebenswert. Ab einem Body-Mass-Index von höchstens zwanzig jedoch gelten Frauen als untergewichtig. Um 17,5 zu erreichen, darf eine Frau bei einer Körpergröße von 1,65m gerade einmal 47,87 Kilogramm wiegen.

Dass das nicht dem Durchschnitt in Deutschland entspricht, wird gerne verschwiegen. So fühlen sich vollkommen normale Frauen plötzlich nicht mehr gesellschaftsfähig, obwohl ihre Körpermaße denen zahlreicher anderer Frauen entsprechen. Statistisch betrachtet wiegen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren bei einer durchschnittlichen Körpergröße von 165,8 cm 65,2 Kilogramm. Zwischen dreißig und 39 liegt der Schnitt bei 68,5 Kilogramm und einer Größe von 165 Zentimetern. Das entspricht einem BMI von 23,7 beziehungsweise 25,1.
Natürlich gibt es auch Frauen mit niedrigem BMI, die nicht hungern. Sie sind dem Bodyshaming ebenfalls häufig ausgesetzt und fühlen sich in ihrem Körper unwohl. Diese Entwicklung zeigt, dass sich nur wenige Frauen in der heutigen Welt mit ihrem Aussehen zufriedengeben „dürfen“. Umso wichtiger ist es, dass sich Body Positivity nicht nur an Frauen mit weiblichen Rundungen richtet, sondern auch an all jene, die in sozialen Medien als „Bohnenstange“ oder „Knochengestell“ bezeichnet werden.

Wohlgefühl ist nicht gewichtsabhängig

Geht es um Bodyshaming, sitzen Frauen aller Größen und Formen also in einem Boot. Der oft propagierte Ausweg, das eigene Erscheinungsbild einfach zu ändern und ab- oder zuzunehmen, ist daher keine echte Lösung. Viel entscheidender: Ein positives Körpergefühl und eine gute Beziehung zum eigenen Körper, ganz egal, wie er aussieht. Um das zu erreichen, sind Maßnahmen abseits der Diät-, Sport- oder sogar Schönheits-OP Sparte nötig. Frauen sollten sich vor allem darauf konzentrieren, sich und ihrem Körper Gutes zu tun. Das beginnt schon bei der Wahl der Kleidung. Schöne Lingerie gibt es auch in großen Größen, denn viele Hersteller denken um. Kleidung sollten Frauen nicht kaufen, um etwas zu kaschieren oder aufzupolstern, sondern um sich darin so wohl wie nur möglich zu fühlen.

Auch Körperpflege kann für entscheidende Veränderungen sorgen

Sich um Haar und Haut zu kümmern, signalisiert Selbstliebe. Frauen sollten sich Zeit hierfür nehmen und ihrem Körper liebevoll begegnen. Make-Up und Haarfarbe sind kein Muss, sondern lediglich eine Option. Wer sich ganz natürlich am wohlsten fühlt, sollte sich nicht dazu gezwungen fühlen, tief in den Schminktopf zu greifen.

Anfangs kann es ungewohnt sein, auf von außen wirkende Einflüsse zu pfeifen. Schnell jedoch erkennen Frauen dann, dass das Suchen und Finden ihres ganz persönlichen Stils starke Wirkung hat. Die gesamte Ausstrahlung verändert sich, im sozialen Leben spielen Selbstzweifel und Scham keine Rolle mehr. Auch die eigene Beziehung profitiert, wenn Frauen nicht mehr das Gefühl haben, ihren Körper verstecken zu müssen. So gelingt es, wieder Teil einer Gesellschaft zu werden, die in Wirklichkeit gar nicht so perfekt ist.

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