Sei neugierig wie ein Kind und schenke Details Beachtung. Achtsamkeit – innere Führung.

„Eine Gesellschaft, die reich an Wissen ist, ist arm an Aufmerksamkeit“ – so in etwa beschreibt der Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert Simon bereits in den siebziger Jahren unser Dilemma mit unserem kostbarsten Gut: Aufmerksamkeit. In unserem Alltag sind wir ständig damit beschäftigt Dinge zu tun und sind mit unserer Aufmerksamkeit mehr Außen als bei uns.

Sich frei von äußeren Reizen mach

Auch wenn es uns nicht so erscheint, aber für unseren Geist ist dieser Zustand der Aufteilung sehr anstrengend – wir sind es inzwischen aber schon so gewohnt, dass wenn wir mal zur Ruhe kommen und uns frei von äußeren Reizen machen, zunächst ein Gefühl der Anstrengung und innerer Unruhe da ist. Denn normalerweise ist unser Gehirn so sehr damit beschäftigt, sich äußeren Reizen anzupassen und sie zu interpretieren.
Den Gedanken folgen dann Gefühle und Bewertungen wie Freude, Wut, Sorge oder Unruhe. Mit der Zeit entsteht unbewusst ein diffuses Gefühl von Fremdbestimmtheit, Lust- und Sinnlosigkeit. Die gute Nachricht jedoch ist, dass wir unseren Geist und unsere Aufmerksamkeit schulen können, nicht ständig von einem Thema zum nächsten zu springen – denn das ist auf Dauer kein guter Zustand für unser Gehirn – indem wir unseren Geist darin üben, im gegenwärtigen Moment zu verweilen und achtsam zu sein.

Wenn Du bewusst und achtsam atmest, hältst Du inne und sammelst Deinen Geist.

Durch das bewusste Atmen erlauben wir, unserer Gedankenflut zur Ruhe zu kommen und nicht mehr in einem niemals endenden Gedankenfluss verloren zu gehen. Eine Pause von den assoziativ wahllos aneinandergereihten Gedankenketten zu nehmen, heißt immer wieder aus dem Gedankenfluss aussteigen und Bewusstsein über das hier und jetzt zu bekommen. Sich als jemand zu erleben, der aus dem Grübelfluss hinaussteigen kann, schenkt einem ein starkes und selbstbestimmtes Gefühl.
Nicht Opfer der Gedanken und Grübeleien zu sein, heißt zu trainieren immer wieder innehalten zu können und auf den Atem zu achten. Wenn wir zu viel Denken und Grübeln, kann das zu Verspannungen und Unruhe ja sogar zu Ängsten und Depressionen führen. Lernen wir aber unnützes Denken zu beenden, indem wir uns mit Hilfe unseres Atems bewusst werden, dann können wir entspannen. Der Gedankenfluss kommt immer öfter und immer schneller zur Ruhe und Du hast plötzlich freien Raum und Weite und Energie zur Verfügung.

Warum der Atem?

Wir müssen uns erst wieder an diesen Zustand des „bei sich seins“ gewöhnen. Meditation und Achtsamkeitsübungen helfen uns, den Weg wieder zurück zu finden und uns wieder mehr mit dem Zustand vertraut zu machen im Hier und Jetzt zu sein. Atemübungen sind ein besonders guter Zugang zu dem Selbst. Der Atem ist das, was unser Inneres mit dem Äußeren verbindet. Wir sind in einem ständigen Austausch mit unserem Umfeld – auch wenn wir uns dessen nicht immer so bewusst sind – in einem ständigen Wechsel zwischen Ein- und Ausatmen, zwischen Nehmen und Geben, zwischen Energie aufnehmen und abgeben, zwischen Anspannung kommen und gehen lassen und zwischen Aufnehmen und Verteilen. Folge Deinem Atem, wie er Deinen Körper betritt, wie er in Deine Lungen strömt, sich Dein Bauch hebt und senkt und der Atem Deinen Körper wieder verlässt.

Beobachte Deinen Atem nun ein paar Momente

Spüre die kurze Pause am Ende des Ausatmens. Wenn Du atmest, wisse dass Du atmest… Sei dir bewusst und nehme die Qualität Deines Atems war: Tiefe, Dauer, Wärme, Weite, Schwere oder Leichtigkeit. Werte nicht, sondern spüre, wo Du Deinen Atem heute am intensivsten spürst – in der Nase, in der Brust, oder im Bauch. Nimm nur wahr und beobachte neugierig. Beobachte Deinen Atem nun ein paar Momente und lasse dich atmen. Wenn sich Deine Gedanken wieder aufdrängen – verurteile Dich nicht dafür, sondern kehre immer wieder zurück zu Deinem Atem – wie zu einem alten Freund. Beobachte wo Du ihn jetzt am intensivsten spürst… beobachte Deinen Körper, wie er auf Deinen Atem reagiert.
Dr. Caroline Böttiger
Neurowissenschaftlerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Dozentin. www.mitte-institut.de
 
 
 
 
 

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