Selbstmitgefühl als Alternative zum Selbstwertgefühl.

Mindful Self-Compassion (MSC) kommt aus den Vereinigten Staaten immer mehr auch in Europa an. Seine Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen und persönlich erfahrbar. MSC, zu deutsch achtsames Selbstmitgefühl, ist ein Programm, das uns helfen will, selbstfreundlich und selbstmitfühlend zu werden. Zu seinen Kernkomponenten gehören außerdem Mitmenschlichkeit und ein achtsames Bewusstsein.

Leidvolle Erfahrungen nutzen, um Mitgefühl zu üben.

Psychologin Dr. Kristin Neff von der University of Texas und der Psychologe Dr. Christopher Germer von der Harvard Medical School in Cambridge haben MSC gemeinsam entwickelt. In ihrem Buch „Selbstmitgefühl“ bringt Neff uns bei, dass Leiden erst aus Schmerz plus Widerstand entsteht.

Das heißt, wenn wir lernen, Schmerz zu akzeptieren, werden wir weniger leiden. Gleichzeitig können wir leidvolle Erfahrungen nutzen, um Mitgefühl zu üben und uns mit anderen Menschen zu verbinden. Denn Mitgefühl mit den Menschen soll uns selbst nicht ausschließen.

„Wie können wir wachsen, wenn wir unsere eigene Schwäche nicht anerkennen?“ fragt die Psychologin ihre Leser und regt damit zum Nachdenken an. Sie bietet Selbstmitgefühl an als Alternative zum Streben nach Selbstwertgefühl, das ihrer Meinung nach wie Zucker ist. Es gibt kurz Energie, kann uns auf lange Sicht aber nicht nähren.

Sensibel werden. Die Forschung gibt den Psychologen recht.

In einem achtwöchigen Kurs lehren ausgebildete MSC-Lehrer ihre Teilnehmer die wesentlichen Prinzipien und Praktiken, um schwierige Momente im Leben mit Güte, Fürsorge und Verständnis zu meistern. In schweren Zeiten kann Selbstmitgefühl uns stärker machen. Vor allem aber macht es uns sensibel dem Schaden gegenüber, den wir uns zufügen, indem wir uns selbst verurteilen. Wir lernen, dass wir für unser Bedürfnis nach Liebe, Sicherheit und Akzeptanz nicht nur aus Beziehungen zu anderen schöpfen können.
Doch wir können sie in uns selbst kultivieren. Die Forschung gibt den Psychologen recht: Sie zeigt tatsächlich, dass Selbstmitgefühl mit emotionalem Wohlbefinden, weniger Angst, Depression und Stress, einer gesunden Lebensweise sowie guten Beziehungen einhergeht. Es ist einfacher, als man denkt.

Gemeinsam wachsen im Kurs

Jörg Mangold
Jörg Mangold

Ein MSC-Kurs besteht aus Meditationen, kurzen Vorträgen, Selbsterfahrungsübungen, Austausch in der Gruppe und Übungen für zuhause. Dabei lernen die Schüler vor allem, Selbstmitgefühl im Alltag anzuwenden
 und die positiven Wirkungen von Selbstmitgefühl zu verstehen
. Andere Schwerpunkte sind etwa, sich selbst mit Freundlichkeit statt mit Kritik zu motivieren
 und herausfordernde Beziehungen mit Wohlwollen zu begegnen. Nicht zuletzt wird auch die Kunst des Genießens und der Selbstwertschätzung geübt.
Auf letzteres legt das MSC-Seminar von Jörg Mangold im Mairatal in den italienischen Voralpen besonderen Wert. Fernab der Zivilisation lädt der Psychotherapeut und Achtsamkeitstrainer einmal im Jahr ein, acht Tage der Selbstfürsorge und dem Genusses als Balsam für Seele, Geist und Magen zu widmen. Besonders hilfreich, um das Gelernte wirken zu lassen, eignen sich der Kurs, weil er ein wenig Abstand vom Alltag erlaubt. Und die Nähe zur Natur lässt Achtsamkeit in einer ganz neuen Qualität erleben. Hier weitere Informationen zu dem besonderen Kursangebot von Jörg Mangold.


ines-bresler
Autorin Ines Bresler ist Journalistin und lebt in Bonn. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Yoga und Meditation. Bei Trekking Touren durch den Himalaja lernte sie Hintergründe und Wirkungen der buddhistische Lehre kennen. Seitdem übt sie in ihrem Alltag neben Asanas auch den achtsamen Umgang mit sich und anderen.

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