Ein faires Smartphone – realistisch oder doch nur Utopie?

Technische Geräte sind fester Bestandteil unseres Alltags und insbesondere das Smartphone ist als täglicher Begleiter für die meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. In immer kürzeren Abständen kommen neue Gadgets mit neuen Funktionen und optimierter Leistungsfähigkeit auf den Markt. Die Lebensdauer wird kürzer – sei es aufgrund des raschen Verschleißes oder des Wunsches immer das neueste Modell zu besitzen. Leider sind die marktführenden Smartphones von Fairness in vielen Punkten weit entfernt. Doch ist es überhaupt möglich, ein faires Smartphone zu produzieren? Das niederländische Fairphone und die deutschen Shiftphones wagen einen Versuch.

Die Ideen für ein faires Smartphone

faires SmartphoneDas 2010 als Kampagne ins Leben gerufene und seit 2013 als Social Business aktive Fairphone aus den Niederlanden legt gesteigerten Wert auf Soziales und einen positiven Einfluss auf die Umwelt. Das Ziel ist ein nachhaltigerer Produktlebenszyklus als ihn die meisten elektronischen Geräte zur Zeit haben. Nach maximal zwei Jahren ist dann meistens Schluss. Fair gehandelte, weniger gefährliche und recycelte Materialien spielen dabei eine besondere Rolle. Außerdem soll die gesamte Wertschöpfungskette transparent gestaltet und die Arbeitsbedingungen im Vergleich zu herkömmlichen Smartphone-Herstellern verbessert werden.
Auch das 2020 gegründete und aus Crowdfounding-Projekten entwickelte Shiftphones aus Falkenberg (nahe Kassel) sieht sein Ziel in der Förderung von Veränderungen im Produktionsprozess von Smartphones und Tablets. Das Familienunternehmen möchte möglichst viele Kenntnisse über die Zulieferbetriebe sowie die verbauten Teile und Materialien erhalten. Die Arbeitsbedingungen und das Recycling alter Geräte sind ebenso zentral für das Shiftphones-Unternehmen.

Wie funktioniert ein faires Smartphone?

faires SmartphoneDas Fairphone ermöglicht als erstes modulares Smartphone das selbstständige Tauschen aller Teile. Reparaturen werden damit für jeden Nutzer sehr einfach möglich. Dadurch soll sich die Lebensdauer des Fairphones im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones erhöhen. Außerdem erleichtert die Zerlegbarkeit das Recycling verschlissener Geräte. Dennoch kann bislang nur etwa ein Drittel des Originalmaterials wiederverwendet werden. In der Materialkette werden beispielsweise Stoffe wie Zinn, Wolfram, Gold, Kobalt und Tantal bezüglich ihrer Gewinnung optimiert.
Aufgrund seiner Langlebigkeit, der Recycling Programme und der deutlich verringerten elektromagnetischen Strahlung wurde das Fairphone als erstes Smartphone mit dem Umweltzeichen Blauer Engel ausgezeichnet.
faires SmartphoneAuch das Shiftphone kann vom Nutzer selbst repariert werden. Der Hersteller bietet dafür Erklärungsvideos auf seiner Website oder alternativ eine kostengünstige Reparatur an. Außerdem können alte Geräte zur Aufarbeitung zurückgegeben werden. Anschließend werden sie gebraucht weiterverkauft oder für Hilfsprojekte gespendet. Das Ziel ist ein optimaler Wirtschaftskreislauf aus Repair, Redistribute, Refurbish und Recycling.

Was kann ein faires Smartphone?

Das Fairphone 2 besteht aus fünf Modulen, misst 143 x 73 x 11 mm und ist mit 168g relativ wuchtig. Insbesondere das Backcover, das gleichzeitig als Schutzhülle dient verursacht dieses massive Design. Obwohl zwei SIM-Karten eingesetzt werden können, ist das Fairphone mit ca. 520€ doch eher ein Liebhaberprodukt, da beispielsweise die 8MP-Kamera, die Frontkamera mit sogar nur 2Megapixeln und das Android 6.0 Betriebssystem technisch doch eher rückständig sind.



Das SHIFT 5.2 ist mit seinen Maßen von 144 x 72 x 7 mm und 140g optisch und haptisch gelungener, jedoch fällt es bezüglich der technischen Leistungsfähigkeit noch hinter dem Fairphone zurück. Auch hier können zwei SIM-Karten eingesetzt werden und auch das Shiftphone läuft inzwischen mit Android 5.1. Mit einem Preis von 299€ ist es im Vergleich zum Fairphone deutlich günstiger.

Ein faires Smartphone kaufen oder noch nicht?

Aktuell sind die fairen Smartphones noch Liebhaberprojekte, die aber durchaus gute Ansätze verfolgen, Perspektiven haben und zu unterstützen sind. Das Interesse an nachhaltigen Produkten in der Bevölkerung wächst und so ist es logisch, auch im Bereich der Elektronik nach Alternativen zu suchen.
Dennoch erschweren die Materialgewinnungsprozesse, die Arbeitsbedingungen in asiatischen Produktionsländern sowie der Aufwand des Recyclings transparente und innovative Strukturen, sodass immer noch ein weiter Weg bis zur Entwicklung eines wirklich fairen Smartphones zu gehen ist.



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